Präsentieren will gelernt sein

  

Erlebnispädagogik

  

Handwerkliches Arbeiten will gelernt sein

?Lernen im Quartier?

Vermittlung von Lebenskompetenz,
Verbesserung von Bildungschancen,
Absicherung von Bildungswegen

Bildung in Verbindung mit der Konzeptentwicklung des Nachbarschaftswerks wird als lebenslanges Lernen verstanden. Von Geburt an erweitern Kinder ? und später auch Erwachsene ? ihr Wissen und ihre Kompetenzen in ständiger Auseinandersetzung mit sich und ihrer Umwelt. Ziel dieser Art von Bildung ist die Entfaltung aller geistigen, seelischen und körperlichen Kräfte in einem ganzheitlichen Sinne.

Auf der Basis eines so gearteten Bildungsverständnisses, strebt das Nachbarschaftswerk an, sozialraumorientiert, unter Berücksichtigung der ethnischen Herkunft und Tradition der Menschen, Bildungsverantwortung zu übernehmen und in Kooperation mit den im Sozialraum ansässigen Institutionen das Prinzip der Beteiligung aller Bildungspartner (Kinder und Jugendliche, Eltern, Sozialpädagogik, Schule) durch Bündnisse zu fördern.

Ziele
Mit der neuen Schwerpunktlegung verbinden sich folgende konkreten Zielsetzungen:

  1. Ausbau und Intensivierung der Elternbildung mit dem Ziel der Stärkung der Erziehungskompetenz und der frühen Förderung von Kindern
  2. Förderung individueller Bildungslaufbahnen durch flankierende Maßnahmen
  3. Verminderung von Sonderbeschulung und Reduzierung von Bildungsabbrüchen
  4. Gezielte Begleitung von Übergängen mit transparenten Anforderungen und Schaffung unterstützender Rahmenbedingungen
  5. Entwicklung des Bewusstseins für Erhöhung der Quote qualifizierter Abschlüsse und Steigerung des Besuchs weiterführender Schulen
  6. Entwicklung und Ausbau gelingender und tragender Kommunikationsstrukturen zwischen allen am Bildungsprozess beteiligten Akteuren (Kinder, Jugendliche, Eltern, Schule, Soziale Institutionen)
  7. Intensivierung der Vernetzung und der Zusammenarbeit der Institutionen im Sozialraum
  8. Abbau und Überwindung von gegenseitigen vorurteilsbelasteten Wahrnehmungsmustern (Minderheit - Mehrheitsgesellschaft) durch gegenseitiges Kennenlernen und Förderung des Dialogs

Vier Aufgabenfelder

Die vier folgenden Haupt-Aufgabenfelder wurden für die konkrete Umsetzung der Konzeptausrichtung als zielführend festgelegt. Im Rahmen dieser Aufgabenfelder wurden und werden kontinuierlich jeweils geeignete Angebote entwickelt.

1.    Elternbildung und Stärkung der Erziehungskompetenz
Die Bedeutung der in der Familie grundgelegten Voraussetzungen für individuelle Bildungsprozesse und Entwicklung für Lebenskompetenzen sind zentral und sie gilt es zu begleiten und zu fördern. In folgenden Bereichen werden dazu Angebote entwickelt:

-    Säuglings- und Kleinkindberatung und Mutter-Kind-Gruppen
-    Förderung des Bildungsbewusstseins in der Familie durch Gespräche,
     Vorträge und Filme zum Thema Erziehung, Gesundheit und Familie.
-    Zugänge schaffen für Kooperationen zwischen Bildungseinrichtungen und
     Familie
-    Mentoring für Eltern in Schulangelegenheiten
-    individuelle Beratung und Unterstützung, wenn Eltern, die Probleme mit
     ihren Kindern haben  (z.B. Gesundheit / Verhalten)

2.    Sozial- und Lebenskompetenzförderung
Außerschulische Kinder- und Jugendbildung als Ort nicht formalisierter Bildung und offener Lerngelegenheiten ist ein wichtiger Rahmen für  Lern- und Bildungsprozesse. Sie trägt bei zur Entwicklung einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit von Mädchen und Jungen und wirkt sozialer Benachteiligung entgegen. Angebote in diesem Bereich sind

-    Projekte und Angebote zur Ausbildung sozialer Kompetenz, z.B. durch Musik,
     Tanz und Sport
-    differenzierende Lernhilfen und Fördermaßnahmen zur Verbesserung der
     Sprach- und Lesekompetenz
-    interkulturelle Angebote im Quartier
-    Vernetzung und Koordination von Kinder- und Jugendhilfe im Sozialraum.

3.    Förderung und Unterstützung in Kooperation mit Schule
Um die sozialen Lebensbedingungen von Minderheiten und Randgruppen besser verstehen zu lernen, muss Schule sich gegenüber dem Sozialraum und im Besonderen gegenüber den Belangen und individuellen Lebenslagen der Schüler verstärkt öffnen und mit sozialen Institutionen im Quartier auf gleicher Augenhöhe vernetzt agieren.  Unsere Bausteine in diesem Bereich sind    

-    Vermittlung und Moderation zwischen bildungsfernen Familien, Schule und
     Lehrern
-    interkulturelle Aufklärung und Bildung, auch an der Schule
-    Begleitung von Klassen, z.B. Soziales Kompetenztraining
-    durch Unterstützung beim schulischen Lernen (Lernfördergruppen) und
     gezielte Einzelförderung
-    gemeinsame Projekte an den Schulen, z.B. im musikalischen Bereich oder
     interkulturellen Austausch.

4.    Gestaltung und Begleitung von Übergängen
Nach wie vor sind die Übergänge von Familie in vorschulische Einrichtungen, in Schule und in die vorberufliche oder berufliche Ausbildung bedeutsame Schnittstellen für die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Sie konfrontieren mit Neuem, fordern heraus, beinhalten das Risiko der Fehleinschätzung, der Über- oder Unterforderung, können krisenhaft erlebt werden und bergen damit die  Gefahr des Scheiterns. Um gelingende Bildungsverläufe zu gewährleisten, bedürfen die Schnittstellen besonderer Beachtung und Unterstützung, z.B. durch

-    vorbereitende Maßnahmen zur Eingliederung in die neue Einrichtung
     (Sprachförderung, Berufsberatung, Netzwerkaufbau)
-    bei Bedarf Kontaktaufnahme und Begleiten in neue Institutionen
-    Unterstützung bei Bewerbungsverfahren
-    Fallmanagement bei Arbeitslosigkeit

5.    Soziokulturelle Arbeit
Mit der Fotoausstellung "Im Dialog mit Freiburger Sinti", die im November 2005 erstmals gezeigt wurde, entwickelte sich ein neuer Bereich im Haus Weingarten: Die soziokulturelle Arbeit. Dieser Ansatz setzt an den Stärken und Ressourcen der Menschen an. Mit den Mitteln der Kultur und Kunst sollen Austausch und Integration gefördert werden; sie sind Medien, die alle Menschen erreichen können, die Energie freisetzen, Grenzen überwinden und Selbstbewusstsein geben können.

Zusammenarbeit und Vernetzung mit Institutionen
Eine wesentliche Voraussetzung einer gelingenden sozialräumlichen Bildungsverantwortung für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche ist die Vernetzung und verbindliche Kooperation der bestehenden Institutionen mit ihren Angeboten.

Mit der Weingartner Arbeitsgemeinschaft Soziales (W*A*S*) besteht im Stadtteil ein Zusammenschluss der Sozialen Träger, der die Grundlage für die Vernetzung im Stadtteil bildet. Weitere Kooperationsstrukturen sind das Weingartner Kindernetz, in dem die offene Kinderarbeit im Stadtteil koordiniert wird.

Um das Thema Lernen im Quartier jedoch noch expliziter zu befördern ist es notwendig, dass sich Schule in den Sozialraum öffnet und verstärkt mit dem Stadtteil kooperiert. Lernen im Stadtteil geht über Lernen in der Schule hinaus und muss bestrebt sein, die unterschiedlichen Bildungsinstanzen und Bildungsorte zusammenzuführen, in einem sich ergänzenden und gegenseitig befruchtenden Sinne. Diese  Art der Kooperation gilt es auszubauen und bestehende Ansätze zu vertiefen.

Ausblick
Ab dem Schuljahr 2006 / 2007 wird das Nachbarschaftswerk mit der vollen Umsetzung der neuen Schwerpunktlegung und Ausrichtung beginnen.
Der Prozess der Konzeptentwicklung und die damit einhergehenden kommunalpolitischen Entscheidungsprozesse haben schlussendlich im Kinder- und Jugendhilfeausschuss der Stadt Freiburg zu der Einschätzung geführt, dass „für die Bereich der Teilhabe, der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen und für das nachbarschaftliche Miteinander im Wohngebiet (…) die Präsenz des NBW auch zukünftig unverzichtbar (ist). Die neue Schwerpunktsetzung wird im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit sowie bei den familienorientierten Hilfen eine wichtige präventive Bedeutung für das soziale Miteinander in der Schule, im sozialen Umfeld und im Bereich der Ausbildungssituation der jungen Menschen haben.“  (KJHA-05/010.1)