Nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs waren es zwei Gruppen von Sinti-Familien, die sich in Freiburg niedergelassen haben: Zum einen zogen im Juni 1945 mehrere Familien zu, die früher schon ihren Wohnsitz in der Stadt hatten und die relativ problemlos wohnversorgt werden konnten.
Zum anderen kamen ab 1947 ca. 30 Familien, vorwiegend ehemalige in Polen internierte Sinti, die sich am Westrand von Freiburg in primitiven selbstgeschaffenen Unterkünften niederließen. (1)
Bis in die 60er Jahren lebten diese Familien weiter auf verschiedenen Plätzen am Rande der Stadt unter unwürdigen Wohn- und Lebensbedingungen und von der Gesellschaft ausgegrenzt.
Neue sozialpolitische Überlegungen Anfang der 70er Jahre
Die Situation änderte sich Anfang der 70er Jahre dadurch, dass die Sinti-Familien massiv darauf drängten, in besseren Wohnverhältnissen unterzukommen, sowie durch neue sozialpolitische Überlegungen der Stadt (unterstützt von dem damaligen Sozialbürgermeister Berthold Kiefer und dem Sozialamtsleiter Hans Peter Mehl), die Freiburger Sinti zu integrieren.
Für die Familien wurde eine Reihenhaus-Siedlung nach dem Standard des sozialen Wohnungsbaus erstellt (Stadtteil Weingarten - Auggener Weg, Ahornweg), dazu das Sozialzentrum Haus Weingarten mit Schulkindergarten, Weingartenschule und Nachbarschaftswerk.
Verein Sintisiedlung Freiburg e.V.
Heute fühlen sich die meisten Sinti, die im Auggener Weg und Ahornweg leben, hier zu Hause und sind zufrieden mit ihrer Wohnsituation. Die Siedlung liegt inzwischen auch nicht mehr am Rande Freiburgs sondern ist von neuen Freiburger Stadtteilen umgeben. Die Gründung des Vereins "Sintisiedlung Freiburg" im Jahr 2004 war ein Ausdruck des Wunsches, ethnozentriert zusammenzuwohnen. Die Bewohner wollen auch in Zukunft hier in "ihrer Siedlung" wohnen bleiben.
Das Nachbarschaftswerk respektiert und achtet diesen Wunsch und beteiligt sich nicht an Überlegungen von Dezentralisierung.
Wieviele Sinti-Familien insgesamt in Freiburg leben, ist schwer zu sagen. Viele, vor allem neu gegründete Familien, sind in der Zwischenzeit in andere Stadtteile gezogen: vorwiegend in benachbarte Quartiere wie Am Lindenwäldle, Weingarten oder Haslach. Die verwandtschaftlichen Beziehungen sind aber für die meisten Sinti weiterhin sehr wichtig und so trifft man sich immer wieder "auf dem Platz."
Man schätzt, dass die Sinti und Roma zwischen 800 und 1000 n. Chr. aus ihrer Heimat in Nordwest-Indien durch das Einströmen arabischer Volksstämme zur Auswanderung gezwungen waren. Die Mehrheit von ihnen ließ sich zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert auf dem Balkan, im Mittleren Osten und in Osteuropa nieder; ein Wanderzug erreichte um 1400 Mitteleuropa (1407 Hildesheim, 1414 Basel), bald nach 1500 England und um 1715 Nordamerika. (Quelle:1+2)